obersalzberg & hitler

Dienstag, 11. Dezember 2007

Frau im Nationalsozialismus

Rückfrage bei Themenführung: "Jugend im 3. Reich"

"Hat nicht die "maskuline" Betätigung in BDM (Sport) und Arbeitsdienst ("Arbeitsmaiden") zu emanzipatorischer Entwicklung geführt?

Antwort: "Im Prinzip: Ja! Die Militarisierung im BDM (Marschieren im Gleichschritt, militärische Ränge und Abzeichen, Kampfsport (Fechten) und Kampflieder stellte für das Rollenverständnis der Nationalsozialisten ("Frau und Mutter") eine Gefahr dar, die ab Ende der 30er-Jahre Gegenmaßnahmen der Reichsjugendführung gegen "Vermännlichung" veranlassten: Verbot des Gleichschritts - Verbot von Kampfsport - Verbot kämpferischer "maskuliner" Lieder. Die österreichischen BDM-Mädchen mussten nach dem Anschluss 1938 ihre uniformähnlichen Braunhemden gegen weiße "feminine" Blusen tauschen. Beim Arbeitseinsatz für die "Volksgemeinschaft" sollten rollengemäße Tätigkeiten im Vordergrund stehen (Haushalt, Säuglingspflege usw.).
Der Krieg führte jedoch wieder zu einem emanzipatorischen Schub, denn viele Männer-Arbeitsplätze mussten nun durch Frauen besetzt werden.
Im Ergebnis führte dieser Interrollenkonflikt zu deutlicher Aufwertung und Erweiterung weiblicher Tätigkeit nach dem Krieg, auch zur mentalen Angleichung der Geschlechterrollen.

Sonntag, 25. März 2007

Obersalzberg Rückmeldung 10

21.03.2007 - Österreicher - ca. 50: Angesichts der Bilder von Massenerschießungen durch SS-Polizei-Einsatzgruppen seine Frage:
Kamen Befehlsverweigerer dieser Aktionen vor ein Standgericht?

Sein Vater sollte als Sprengmeister beim RAD in den letzten Kriegstagen die Saalach-Brücke von Freilassing nach Salzburg sprengen. Da er sich weigerte, wurde er von einem Standgericht zum Tod verurteilt; er konnte jedoch fliehen und wurde nach dem Krieg rehablitiert.

Antwort: Mir ist kein Fall bekannt geworden, in dem Leute, die sich weigerten, an der Ermordung von Zivilisten aktiv teilzunehmen, zum Tod verurteilt worden wären. Man müsste bei Browning nachlesen (Bericht über Polizeibataillon 201), wie in solchen Fällen verfahren wurde.

Donnerstag, 15. März 2007

Obersalzberg Rückmeldung 9

Neues aus dem jugendlichen Besucherkreis: Nachfrage nach einer Schwerpunktführung "Jugend im 3. Reich".

Wir haben eine solche Führung konzipiert und mit großem Rückmeldungs-Erfolg durchgeführt: Zuerst 20 Minuten bildgestützte
(Powerpoint) Einführung in die Themen "Junger Hitler" - "Entstehung und Entwicklung der HJ" - "BDM und NS-Frauenbild".

Dabei wurden seltene Fotodokumente gezeigt, da die eigentliche Ausstellung das Thema "Jugend" nur sporadisch darstellt.

Beim Rundgang sind wir dann ziemlich kursorisch vorgegangen, haben aber bei jugendrelevanten Exponaten vertieft informiert.

Erfreulich: ständiges "Unterrichtsgespräch" mit den 15-16 jährigen Schülern einer "Besonderen 10. Klasse" Realschule.

Dienstag, 13. März 2007

Obersalzberg Rückmeldung 8

Besucher (Bürgermeister v. Satteldorf b. Brettheim - Brief):
"Am 1. Juni konnte der Gemeinderat der Gem. Satteldorf die Doku Obersalzberg besichtigen. Sie haben die Teilnehmer in beeindruckender Weise durch diese Ausstellung geführt... Alle Teilnehmer waren sehr beeindruckt...

Der Geschehnisse am Ende des 2. Weltkrieges im 15km entfernten Brettheim wird von der gesamten Bevölkerung immer noch gedacht. Aus diesem Grund wurde in Brettheim eine Erinnerungsstätte...eingerichtet".

Beigelegt ist eine Broschüre: "Die Männer von Brettheim". Sie schildert die Ermordung Brettheimer Bürger in den letzten Kriegstagen durch Einheiten der Waffen-SS, Wehrmacht (Gebirgsjäger) und durch Hitlerjungen.

Antwort:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, erschüttert haben wir, Karin und ich, die Lektüre "Die Männer..." aus der Hand gelegt...Geradezu deprimierend finden wir die skandalöse juristische "Bewältigung" der Morde. Und da behaupten viele, nun sei es genug mit der Aufarbeitung der Vergangenheit. Nie wird es mit dem Erinnern genug sein, in Brettheim nicht und nicht in Berchtesgaden.

Dass es Hitlerjungen waren, die sich durch Unmenschlichkeit beim Erhängen der Opfer hervorgetan haben, belastet "Reichsjugendführer" Axmann aufs schwerste; auch er wollte sich in einer Autobiographie aus der Verantwortung reden...Und nun noch etwas Erfreuliches:

Demnächst hat sich bei uns beiden eine Besuchergruppe aus der Gegend von Brettheim angemeldet: Handwerkerjugend. Das Interesse dieser Jugend mit "der Gnade der späten Geburt" an ihrer/unserer NS-Vergangenheit lässt hoffen, dass "es" nie wieder geschieht".

Obersalzberg Rückmeldung 1

"Ich bin beeindruckt von dieser Ausstellung. Und trotzdem bin ich stolz, ein Deutscher zu sein."

Antworter: "Das können Sie auch - jetzt, wo Sie sich dieser Vergangenheit gestellt haben; dazu gehört u.a. Mut".
Besucher (der es so nicht gemeint hatte): "Andere Völker, die auch ihre Leichen im Keller haben, sind da viel zurückhaltender".
Antworter: "Die haben keinen Krieg verloren; daher wurden sie auch nicht von Siegern zur Vergangenheitsbewältigung gezwungen".

Obersalzberg Rückmeldung 2

Angesichts eines Dokuments über die mentale Situation der an Erschießungen beteiligten Soldaten (von Juden und Zigeunern in Serbien): Sein Vater sei als Polizist zu einer SS-Polizei-Einheit eingezogen worden, die in Polen und Weißrussland bei Massenerschießungen eingesetzt wurde. Er selbst habe an Exekutionen "Gott sei Dank" nicht aktiv teilnehmen müssen, da sich stets genügend Freiwillige gemeldet hätten.

Diese Zeitzeugenaussage aus zweiter Hand (glaubwürdig) bestätigt zweierlei: a) Befehlsverweigerer wegen Exekutionen wurden nicht kriegsrechtlich verurteilt b) Aus Gründen, die zu untersuchen wären, fanden sich freiwillige Vollstrecker (Goldhagens "willing consecutioners") ohne besondere Skrupel.

Obersalzberg Rückmeldung 3

Obersalzberg Rückmeldung 4

Besucher: Bundeswehrleutnant (Fallschirmjäger) aus den neuen Bundesländern. Frage: "Kann ich den Hitler-Film "Der Untergang" als Unterrichtsinfo im polit. Unterricht vorführen?

Antwort: Im Prinzip ja. Dabei stellt sich die Frage, ob die Darstellung Hitlers als gescheiterte Existenz und damit seine Vermenschlichung der kollektiven Erinnerung nützt oder schadet. Dem Vorbildcharakter als "Führerfigur" für jugendliche Neonazis dient eine solche Entheroisierung wohl kaum - im Gegenteil.

Gleiches dürfte auch für die Darstellung Hitlers als komische Figur gelten. Wenn man von der Beschreibung des Führertyps bzw. Führerprinzips durch Max Weber ausgeht, dann wirken Mitleid und Komik absolut tödlich. Das haben alle Diktaturen gewusst und zu verhindern gesucht.

Obersalzberg Rückmeldung 6

Bundeswehrangehöriger aus den neuen Bundesländern:
Frage angesichts der Bildersequenz über Erschießung von Frauen und Kindern aus einem ukrainischen Ghetto (1942): "Warum wurden diese Menschen gezwungen, sich vor ihrer Erschießung nackt auszuziehen?"

Antwort: verschiedene Motive denkbar: z.B. ein nackter Mensch wurde von den Einsatzgruppen nicht mehr als vollgültiger Mensch, sondern als entwürdigte Kreatur empfunden; dadurch wurde die Tötungshemmung beseitigt - auch eine gezielte Bloßstellung von Frauen ist vorstellbar, die sich sehr geschämt haben.

Obersalzberg Rückmeldung 5

Jüngerer Besucher (Gewerkschafter):
Frage: Wie ist die These von der sozialistischen Bestechungsdiktatur (Aly) mit der Vorstellung zu vereinbaren, der Faschismus sei ein Instrument des Kapitalismus.

Antwort: Die These, der Nationalsozialismus sei als eine Art Faschismus ausschließlich dem Großkapital verpflichtet gewesen,
stellt eine Position der Komintern der 30er Jahre dar. Daher auch deren Bezeichnung für die SPD als "Sozialfaschismus". Hitlers Behauptung vom "schaffenden" im Gegensatz zum "raffenden" Kapital lässt seine Ambivalenz erkennen.

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